
Fünf Bausteine für Prompts, die wirklich zu eurem Kita-Alltag passen
Hallo ihr Lieben,
neulich in einer Fortbildung: Eine Teilnehmerin tippt „Schreib einen Elternbrief zum Plätzchenbacken“ ins KI-Tool, liest das Ergebnis vor, und der ganze Raum lacht. Der Text klang wie aus einem Werbeprospekt für Lebkuchen. Viel Zimtduft, viel „zauberhafte Adventszeit“, aber kein Wort davon, wann, wo und was die Familien mitbringen sollen. Ihr Fazit: „Siehste, die KI kann das nicht.“
Doch, kann sie. Sie wusste nur nicht, was ihr wollt.
Im September habe ich euch gezeigt, dass ihr längst wisst, wie man mit KI spricht. Heute bekommt ihr den Bauplan dazu. Ich nenne ihn das PARTI-Modell, und ja, die Eselsbrücke ist gewollt: Ein guter Prompt ist wie eine gute Party. Man muss wissen, wer kommt, was gefeiert wird, was es gibt und welche Stimmung herrschen soll. Und richtig schön wird es meistens erst, wenn man ein bisschen länger bleibt.
Die fünf Bausteine
- P wie Persona: Wer soll die KI sein?
Ihr gebt der KI eine Rolle. „Du bist eine erfahrene Erzieherin in einer Kita mit naturnahem Konzept.“ Die Persona macht die KI nicht klüger, aber sie verändert Blickwinkel und Sprache. Ein Text aus Sicht einer Kita-Fachkraft klingt eben anders als einer aus Sicht einer Werbetexterin. - A wie Aufgabe: Was genau soll passieren?
Klingt banal, ist aber der Punkt, an dem die meisten Prompts schwächeln. Nicht „Elternbrief zum Plätzchenbacken“, sondern: „Schreibe einen Elternbrief, der zum gemeinsamen Plätzchenbacken einlädt und um Mithilfe bittet.“ Einladen UND um Hilfe bitten, das sind zwei Ziele, und die KI muss beide kennen. - R wie Referenz und Kontext: Was muss die KI wissen?
Hier steckt das meiste Potenzial. Termin, Uhrzeit, Ort, was mitgebracht werden soll, wer eure Familien sind. Und wenn ihr wollt, dass der Text nach EUCH klingt: Gebt einen eigenen, anonymisierten Elternbrief als Stilvorlage mit. Die KI orientiert sich dann an eurer Art zu schreiben. - T wie Tonalität: Wie soll es klingen?
Warm? Sachlich? Kurz? In einfacher Sprache? Sagt es! „Herzlich, aber knapp, höchstens 120 Wörter, einfache Sprache, kein Ausrufezeichen-Feuerwerk.“ (Glaubt mir, den letzten Zusatz braucht man öfter, als man denkt.) - I wie Iteration: Weiterreden statt aufgeben!
Mein Lieblingsbaustein. Der erste Entwurf ist kein Endergebnis, sondern ein Gesprächsangebot. „Kürze den zweiten Absatz.“ „Mach den Einstieg persönlicher.“ „Schreib eine Variante in noch einfacherer Sprache.“ Ihr würdet einer Praktikantin ja auch nicht nach dem ersten Entwurf sagen: „Lass mal, ich mach’s selbst.“
Vorher und nachher
Aus „Schreib einen Elternbrief zum Plätzchenbacken“ wird mit PARTI:
Du bist eine erfahrene Erzieherin in einer Kita mit naturnahem Konzept und schreibst Elternbriefe, die gern gelesen werden. Schreibe einen Elternbrief, der zum gemeinsamen Plätzchenbacken einlädt und um Mithilfe bittet. Infos: Freitag, 4. Dezember, 9 bis 11 Uhr, im Gruppenraum. Wir suchen zwei Eltern, die mithelfen, und bitten jede Familie um eine Ausstechform. Viele unserer Familien sprechen Deutsch als Zweitsprache. Orientiere dich am Stil dieses Briefes von uns: [anonymisierter Brief]. Ton: herzlich, knapp, einfache Sprache, höchstens 120 Wörter.
Und dann kommt das I: „Stell mir zwei Rückfragen, bevor du den Brief überarbeitest.“ Probiert diesen Satz unbedingt mal aus! Die KI fragt dann nach Dingen, an die ihr selbst nicht gedacht habt, zum Beispiel ob Kinder mit Allergien teilnehmen oder ob Geschwister mitkommen dürfen.
Der Clou für Fortgeschrittene: Wenn ihr bestimmte Infos immer wieder braucht (euer Konzept, euer Schreibstil, eure Gruppenstruktur ohne Namen), dann müsst ihr das R nicht jedes Mal neu tippen. Wie ihr dafür Projekte nutzt, habe ich euch hier aufgeschrieben.
Das große ABER: Kontext ja, Kinderdaten NIE!
Gerade beim R ist die Versuchung groß, einfach alles reinzukippen. Deshalb ganz klar:
- Keine Namen, keine Fotos, keine Gesundheitsinfos. Auch nicht „nur kurz“. Kontext heißt: Was braucht die KI für die Aufgabe? Nicht: Was weiß ich alles über die Gruppe?
- Vorlagen anonymisieren. Wenn ihr einen alten Elternbrief als Stilvorlage nutzt, streicht vorher Namen, Adressen und Telefonnummern.
- Freigegebene Tools nutzen. Klärt mit eurem Träger, welches Tool ihr dienstlich verwenden dürft, und bevorzugt datenschutzfreundliche Anbieter.
- Fakten gegenchecken. Hat die KI den Termin richtig übernommen? Stimmt die Uhrzeit? Ein falsches Datum im Elternbrief ist ärgerlicher als jede holprige Formulierung.
- Ihr seid die Chefin. Der Text geht mit eurem Namen raus. Also lest ihn, als hättet ihr ihn selbst geschrieben.
Mein Herzens-Fazit
Gute Prompts sind keine Geheimwissenschaft. Sie sind das, was ihr jeden Tag tut: klar sagen, was ihr braucht, Zusammenhänge erklären und nachfragen, wenn etwas nicht passt. PARTI gibt dem nur eine Reihenfolge. Und die Zeit, die ihr beim nächsten Elternbrief spart, gehört den Kindern. Vielleicht sogar beim Plätzchenbacken.
Ihr wollt PARTI direkt ausprobieren? In meinem Webinar „KI für Kitas“ üben wir das Schritt für Schritt an euren eigenen Alltagsaufgaben. Vier Stunden, live und online, mit ganz vielen Aha-Momenten. Alle Termine und die Anmeldung findet ihr hier: https://zahlenland.info/ki-fuer-kitas/seminar-ki-fuer-kitas/
Und jetzt seid ihr dran: Welcher der fünf Bausteine fehlt in euren Prompts am häufigsten? Ich tippe ja auf das I.
Herzlichst,
Eure Susanne
