
Warum Projekte und Skills eure KI-Arbeit in der Kita jetzt sogar leichter machen
Hallo ihr Lieben,
vielleicht habt ihr es schon irgendwo aufgeschnappt, in den Nachrichten, im Team oder in einer WhatsApp-Gruppe: ChatGPT stellt seine eigenen Assistenten, die sogenannten GPTs, ein. Und ich ahne schon, was jetzt bei manchen von euch passiert. Dieses kleine innere Stöhnen: „Ach nee, gerade hab ich mich an das Ding gewöhnt, und jetzt ist es schon wieder weg?“
Atmet einmal tief durch. Ich habe gute Nachrichten. Denn was jetzt kommt, ist für unsere Arbeit nicht komplizierter, sondern ehrlich gesagt einfacher. Und ich spreche aus Erfahrung: Ich arbeite schon lange fast nur noch mit Projekten und Skills, und ich kann euch sagen, das funktioniert richtig, richtig gut. Genau deshalb geht es heute um KI-Projekte in der Kita: was sie sind, wie ihr sie nutzt und warum sie euch Zeit schenken. Und das Beste vorweg: Dafür braucht ihr ChatGPT gar nicht.
Was passiert da eigentlich?
Kurz und knapp: OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, schaltet die eigenen GPTs am 11. Dezember 2026 ab. Danach sind sie nicht mehr erreichbar. Eure bisherigen Chats bleiben übrigens erhalten, die müsst ihr nicht extra sichern.
Offiziell nennt OpenAI als Nachfolger sogenannte Plugins. Darin wird die Anleitung eines GPTs zu einem Skill. Klingt technisch? Keine Sorge. Für unseren Kita-Alltag reicht es, wenn ihr euch zwei Dinge merkt: Projekte und Skills. Projekte gibt es in vielen KI-Tools schon länger, und für die meisten Kita-Aufgaben sind sie der einfachste Ersatz für eure GPTs.
Und das ist kein Alleingang von ChatGPT. Auch Google stellt bei Gemini um: Die dortigen Assistenten, die Gems, werden ab dem 17. November 2026 automatisch zu Skills. Und Claude arbeitet schon länger genau so. Die ganze KI-Welt geht also in dieselbe Richtung. Für euch heißt das: Was ihr jetzt lernt, könnt ihr in fast jedem Tool anwenden.
Moment mal, Susanne, du empfiehlst doch gar kein ChatGPT?
Richtig! Für die berufliche Arbeit in der Kita empfehle ich ChatGPT nicht. Eure Eingaben landen bei einem US-Anbieter, und gerade mit einem privaten oder kostenlosen Konto habt ihr wenig Kontrolle darüber, was mit ihnen passiert. Warum mir das so wichtig ist, habe ich in meinem Beitrag über private KI-Accounts im Kita-Alltag beschrieben.
Die gute Nachricht: Projekte sind kein ChatGPT-Sonderweg. Wenn ihr ein kostenloses Tool sucht, empfehle ich euch Lumo von Proton, einem Anbieter aus der Schweiz. Kostenlos heißt dabei aber nicht: ohne Absprache mit eurem Träger. Lumo speichert eure Chats verschlüsselt, nach Angaben von Proton kann nicht einmal der Anbieter selbst sie lesen, und mit euren Eingaben wird keine KI trainiert. Und Lumo hat genau das, worum es heute geht: Projekte. Ihr hinterlegt dort eine feste Anleitung, ladet Dateien hoch und habt alle Chats zu einem Thema an einem Ort. In der kostenlosen Version könnt ihr ein Projekt anlegen, mit Lumo Plus beliebig viele.
Auch andere datenschutzfreundliche Tools bieten inzwischen solche Arbeitsräume an. Schaut also ruhig, was euer Träger euch zur Verfügung stellt. Und für alle, die mit Fobizz arbeiten: Eure Assistenten dort sind von der ChatGPT-Änderung nicht betroffen.
Projekt und Skill: Wo ist der Unterschied?
Ich erkläre das in meinen Fortbildungen gern mit einem Bild aus unserem Alltag.
Ein Projekt ist wie ein gut sortierter Gruppenraum. Alles, was zu einem Thema gehört, liegt griffbereit an seinem Platz: die Anleitung, wie ihr arbeiten wollt, wichtige Dokumente und alle Gespräche, die ihr dazu schon geführt habt. Ihr kommt rein, und die KI weiß sofort, worum es geht. Kein ständiges Neu-Erklären mehr.
Ein Skill ist wie eine eingespielte Routine. Denkt an euren Morgenkreis: Alle wissen, wie er abläuft, ohne dass ihr ihn jeden Tag neu erfinden müsst. Ein Skill ist so eine festgelegte Arbeitsanleitung für eine wiederkehrende Aufgabe, zum Beispiel „Schreib einen Elternbrief in unserem Ton“. Die KI holt diese Anleitung immer dann hervor, wenn ihr sie braucht.
Kurz gesagt: Das Projekt sammelt das Wissen zu einem Thema. Der Skill sorgt dafür, dass eine bestimmte Aufgabe immer gleich gut erledigt wird. Beides zusammen ist eine richtig sinnvolle Ergänzung zu eurer täglichen Arbeit mit KI.
Sechs Projekte, die sich in der Kita richtig lohnen
Jetzt wird’s praktisch. Hier sind meine Lieblingsideen für eure ersten Kita-Projekte, egal ob in Lumo oder einem anderen datenschutzfreundlichen Tool:
- Projekt „Elternkommunikation“: Legt fest, wie ihr mit Familien sprecht: herzlich, klar, in einfacher Sprache. Ladet zwei oder drei gelungene Elternbriefe als Beispiel hoch, natürlich ohne Namen. Ab jetzt klingt jeder Entwurf nach eurer Einrichtung und nicht nach Werbeprospekt.
- Projekt „Unsere Konzeption“: Ladet eure Konzeption hoch (vorher kurz prüfen, ob personenbezogene Daten drinstehen). Jetzt könnt ihr fragen: „Wie beschreiben wir unsere Eingewöhnung?“ oder euch Infotexte für neue Kolleg:innen vorbereiten lassen. Ein echter Schatz bei der Einarbeitung!
- Projekt „Angebote und Projektplanung“: Hinterlegt eure Rahmenbedingungen: Altersgruppe, Raum, typische Materialien, euren Bildungsplan. Dann sprudeln die Ideen zum Thema Herbst oder Wasser schon passend für eure Gruppe. Und die neurodidaktische Feinarbeit, die Bewegung, die Anpassung an die Kinder? Die kommt wie immer von euch.
- Projekt „Team und Organisation“: Eure Protokollvorlage, die Checkliste für Ausflüge, der Ablauf eurer Teamsitzungen. Einmal hinterlegt, entstehen Tagesordnungen, Protokolle aus Stichpunkten oder Materiallisten in wenigen Minuten.
- Projekt „Formulierungshilfe Dokumentation“: Hier gebt ihr ausschließlich anonymisierte Stichpunkte ein, also „das Kind, 3 Jahre“ statt eines Namens. Das Projekt kennt euren Stil für Portfolio-Texte und hilft euch, aus euren Notizen einen wertschätzenden Entwurf zu machen. Die Beobachtung selbst und ihre Deutung bleiben bei euch. Immer.
- Projekt „Mein Lernbegleiter“: Mein persönlicher Geheimtipp! Ladet eure Unterlagen aus einer Fortbildung hoch und lasst euch abfragen, Begriffe erklären oder Ideen für die Umsetzung im Team entwickeln. So wird aus dem Handout, das sonst in der Schublade landet, ein echter Lernpartner.
Und die Skills? Eure persönlichen Abkürzungen
Wenn ihr merkt, dass ihr eine Aufgabe immer wieder gleich erledigt, ist das der Moment für einen Skill. Bei mir gibt es zum Beispiel Skills für Handouts, Unterschriftenlisten und Bestätigungen für meine Kurse. Ich sage nur noch kurz, was ich brauche, und das Ergebnis sieht jedes Mal so aus, wie ich es will. Das spart mir jede Woche richtig viel Zeit.
Für die Kita könnten das sein:
- ein Skill „Wochenrückblick für die Eltern-Pinnwand“
- ein Skill „Protokoll aus Stichpunkten“
- ein Skill „Elternbrief in leichter Sprache“
Ein ehrlicher Hinweis: Nicht jedes Tool kennt schon Skills. Wenn eures sie noch nicht hat, startet einfach mit Projekten. Eine gute Anleitung im Projekt erledigt im Kita-Alltag fast dasselbe, und für den Anfang reicht das völlig aus.
Ihr habt schon GPTs? So zieht ihr in Ruhe um
Und vielleicht ist das genau der richtige Moment, nicht nur umzuziehen, sondern gleich das Tool zu wechseln.
- Bestandsaufnahme machen: Welche GPTs nutzt ihr? Eigene oder welche von anderen?
- Eigene GPTs sichern: Kopiert die Anweisungen und legt die hochgeladenen Dateien griffbereit ab.
- Fremde GPTs prüfen: Ein GPT, das jemand anderes gebaut hat, verschwindet am 11. Dezember ebenfalls. Überlegt, welche Aufgabe es für euch erledigt hat, und baut euch dafür ein eigenes Projekt.
- Neu anlegen: Anweisungen in ein Projekt kopieren, am besten gleich in einem kostenlosen, datenschutzfreundlichen Tool wie Lumo, Dateien hochladen, fertig.
- Testen: Probiert zwei, drei Aufgaben aus, die ihr gut kennt. Passt das Ergebnis? Dann seid ihr umgezogen!
Das große ABER: Herz, Hirn und Datenschutz bleiben an!
So praktisch Projekte sind, sie verführen dazu, einfach mal alles hochzuladen. Deshalb gilt:
- KEINE personenbezogenen Daten! Keine Namen von Kindern, Familien oder Kolleg:innen, keine Fotos, keine Entwicklungsberichte. Das gilt auch für datenschutzfreundliche Tools, und auch nicht „nur ganz kurz“.
- Klärt es mit eurem Träger: Auch ein datenschutzfreundliches Tool braucht das OK eures Trägers. Fragt nach, was bei euch gilt, und greift zu Lösungen wie Lumo oder Fobizz.
- Training im Blick behalten: Bei Lumo werden eure Eingaben nicht zum Trainieren genutzt. Nutzt ihr ein anderes Tool, schaut in den Einstellungen nach und schaltet das Training ab.
- Der Mensch ist der Boss: Jedes Ergebnis ist ein Entwurf. Ihr prüft, ihr passt an, ihr entscheidet.
Warum sich Weiterbildung gerade jetzt lohnt
Diese Umstellung zeigt eines ganz deutlich: Die Werkzeuge ändern sich ständig. Was bleibt, ist euer Verständnis dafür, wie KI funktioniert und wie ihr sie klug einsetzt. Wer das Prinzip einmal verstanden hat, zieht entspannt von einem Tool ins nächste um. Übrigens verlangt auch die EU-KI-Verordnung, dass Einrichtungen, die KI nutzen, Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden ergreifen. Weiterbildung ist der naheliegendste Weg dorthin. Sie ist also nicht nur Kür, sondern auch ein Stück Pflicht.
Ihr wollt euer erstes Projekt nicht allein anlegen? In meinen Webinaren „KI für Kitas“ zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ihr KI sicher, datenschutzbewusst und mit pädagogischem Kompass in euren Alltag holt. Praxisnah, verständlich und mit vielen Beispielen zum direkten Ausprobieren. Alle Infos findet ihr hier: susannebeckers.de/ki-kompetenz
Mein Herzens-Fazit
Der Abschied von den GPTs ist kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Mit Projekten und Skills bekommt ihr Werkzeuge, die besser sortiert sind, sich leichter anlegen lassen und in fast jeder KI funktionieren, auch in datenschutzfreundlichen wie Lumo. Weniger Erklären, weniger Suchen, mehr Zeit für das, was wirklich zählt: die Kinder.
Und jetzt bin ich neugierig: Welches Projekt würdet ihr als Erstes anlegen? Und arbeitet ihr vielleicht schon mit Lumo oder einem anderen Tool, das Projekte kann?
Lasst uns den Weg gemeinsam gehen, mutig, kritisch und immer mit dem Wohl der Kinder im Herzen!
Herzlichst,
Eure Susanne
